Antwort auf Armin Thurnher's "Seuchenkolumne"

https://cms.falter.at/blogs/athurnher/2022/04/05/twitternotizen-elon-musk-ist-hauptaktionaer-ich-habe-150000-follower/?ref=newsletter

Lieber Armin Thurnher!

Sie schreiben heute:

Ich habe jetzt 15.000 Follower auf Twitter, und noch immer türmt sich Rätsel auf Rätsel. Der sogenannte „Privataccount" ist eines der größten. (…) Was daran privat ist, habe ich noch nicht verstanden. Offenbar soll der Begriff „Privataccount" eine Distanz zu jenem Unternehmen herstellen, in dem der Accountant (die Accountante?) beschäftigt ist. Man differenziert zwischen privat und dienstlich. Ethische Zwischenfrage: Was wäre von Individuen zu halten, die ihre Gesinnung derart zweiteilen würden? Wären sie russische Stardirigenten, man ließe ihnen diese Differenzierung nicht durchgehen.

Armin Wolf, der Superstar der provinziellen Austro-Bubble auf Twitter, führt einen solchen "Privataccount". Neuerdings nennt er dies "kein ORF-Account". Dazu schreibt er: "Ich reagiere nur selten auf anonyme Tweets & blockiere Trolle (immer)". Das erinnert mich an jene Frauen auf Tinder, die auf ihrem Profil erklären, welche Männer bei ihnen keine Chance hätten. Wozu schreiben die das? Logisch zu Ende gedacht scheint mir das nicht zu sein. Wozu dieses Bekenntnis? Es endet jedenfalls im Widerspruch in sich.

Zu Beginn von Austro-Twitter in den späten 2000er-Jahren sprach ich den "Privataccount" @arminwolf auf Birgit Fenderl an. Seither kenne ich den "Privatmann" Armin Wolf. Und seither verachte ich den österreichischen Journalismus.

Wer ist Birgit Fenderl, werden manche fragen? Eben. Birgit Fenderl war die beste Journalistin unseres Landes. Ich stelle die Gegenfrage: Who the fuck is Armin Wolf?

Dieses Match wird übrigens gerade in der Ukraine ausgetragen. Die Arroganz des "Westens" ist an ihr Ende gekommen. Gott sei Dank.

Sie schreiben weiter:

Vielleicht ist es aber weniger schlimm, und sie wollen auf ihrem „Privataccount" nur Dinge sagen, für die man sie nicht dienstrechtlich zur Verantwortung ziehen kann. Frei sein als Projekt von Freizeit. Sozusagen. Merkwürdig, dass es oft Leute sind, die in Unternehmen arbeiten, deren Ziel in der Herstellung von Öffentlichkeit besteht. Russen haben es da besser: Putin nimmt ihnen solche Sorgen ab. Es lebe der demokratische Luxus!

Dieser Schluss ist schlüssig. Es ist der einzig schlüssige Schluss dieser Analyse. Die Dekadenz des "Westens" offenbart sich auf Twitter. Jetzt, da Twitters Börsenkurs angeblich um 15% gestiegen ist, nachdem Elon Musk knapp 10% der Aktien erworben hat, ist es amtlich. (Die Zahlen dieses Textes sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Zahlen wären rein zufällig.) 

Um wieviel wäre der Kurs gestiegen, hätte er 100% erworben? Gar nicht, eh klar, deswegen hat Musk nur in 10% investiert. Musk berechnet die erwartete Rendite bis zur Perfektion, nämlich zur Potenz. Ein Investment von knapp 10% lässt die Kurssteigerung maximieren. Darunter UND darüber wären es weniger als 15%. Das ist die Preiselastizität der Nachfrage. Das kann man alles lernen an unseren Universitäten. Nur, wer beherzigt es auch?

Musk ist (neben mir) der einzige, der die Perversion des Kapitalismus bis ins Detail durchschaut hat. Er zieht jedoch (wie alle außer mir) die gegenteilige Konsequenz daraus: Er will (wie alle außer mir) davon profitieren. Deswegen ist das Genie Elon Musk der reichste Mensch der Welt, völlig gegenteilig zu mir. 

Den Reichtum Elon Musks bezahlen alle anderen, meine Armut ebenfalls. Solange wir leben, nehmen wir allen anderen Ressourcen (Geld) weg. Elon Musk nimmt so viel wie möglich, ich so wenig wie möglich. Die Konsequenz daraus ist, dass er ein gefeierter Superstar in dieser Welt ist, ganz im Gegenteil zu mir. 

Auch dieser Kampf jener zwei Welten wird gerade in der Ukraine ausgetragen. Abgerechnet wird am Schluss, auf Heller und Pfennig. "Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Ich werde siegen. Möglicherweise jedoch noch nicht hier.

LG PW